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'Meine Lüge ist die Wahrheit'


Autor: Kasimir Geza Werner
Mit einem Nachwort von Margot Werner
Elisabeth Römer: Das Leben von zehn Menschen gelebt, zum Tode des Schriftstellers Kasimir Geza Werner
Veröffentlichung: 1986
GHL-Nr.: 073


Zum Inhalt
K. G. Werner erzählt sein Leben von der in Ungarn verbrachten Kindheit an über die Zeit der aufbrechenden Leidenschaft für das Theater, die Begegnungen mit großen Persönlichkeiten aus der Welt der Kultur der Zwanziger Jahre bis hin zur Schreckenszeit des Pfeilkreuzlerterrors und die frühe Nachkriegszeit in Budapest. Nach Flucht nach Österreich und Aufenthalt in Wien endet der Bericht mit der Ankunft in Israel.

 
Leseprobe
" (...) Es ist bezeichnend für ihn, daß er selbst keine Kritik vertragen konnte. Hierfür kann ich auch ein Beispiel geben. Das Romanische Kaffeehaus an der Gedächtniskirche in Berlin war der Treffpunkt aller angehenden Künstler und Schriftsteller. Da sah man Tucholsky, Kästner, Kesten, Zuckmayer, Klabund, Brecht und unzählige Maler und Bildhauer. Mit einem Wort, hier sprudelte die Quelle der Kunst und Literatur. Eines Tages rief mich Alfred Kerr an und bat mich, ihm ein Theaterstückmanuskript aus unserem Theater zum Studium zu überlassen. Wir haben uns im Romanischen Kaffeehaus verabredet. Als ich eintrat, war er schon da. Wir sprachen sehr besorgt über die allgemeine Theaterkrise und versuchten, den Grund dafür zu finden. Dabei habe ich ihm offen gesagt, daß er mit seiner strengen und manchmal schonungslosen Kritik auch viel dazu beigetragen habe. In diesem Moment erschien der ausgezeichnete Schauspieler und Theaterautor Curt Götz an unserem Tisch. Er hörte noch meine letzten Sätze. Seine Meinung war identisch mit meiner. Am Ende bemerkte er noch sarkastisch: "Eines will ich Ihnen sagen, verehrter Herr Kerr, es wäre eine Freude zu leben, wenn jeder die Hälfte von dem täte, was er von den anderen verlangt." Kerr sprang beleidigt auf und verließ uns, ohne sich zu verabschieden. Götz sah mich traurig an und flüsterte ganz leise: "Wer selbst Kritik übt, muß auch Kritik ertragen können". (...) " - Aus: Die Kerr-Seite (S. 33/34)

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