Inhalt:

Startseite

Über uns

Autoren

Publikationen

 Überblick

 Im Einzelnen

Veranstaltungen

Links

Kontakt




 
 

'Zweifelhafte Geschichten'


Autor: Rainer Wieczorek
Veröffentlichung: 2000
GHL-Nr.: 100


Zum Inhalt
12 Texte umfasst dieser erste Sammelband seines erzählerischen Werks. "Wieczoreks Protagonisten sind oft Vorläufer, Vordenker noch nicht entstandener Künste: einer "befreiten Bahnfahrt" etwa oder einer Bobfahrt, die der mechanischen Ausführung nicht mehr bedarf; zweifelhafte Helden zweifelhafter Disziplinen. Sie ahnen, dass die Parallelen sich schneiden werden, und ihr Leben meint das Warten auf diesen Moment.
Aber neben diesen Utopisten gibt es auch jene, die ihr Scheitern in der Gegenwart anerkennen, an sich nehmen, der Straßenbahner etwa, der auf dem Weg von Haltestelle zu Haltestelle verstummt.
Die erste Geschichte "Ungerauchte Zigarren" skizziert, wie das Buch zu seinem Namen kam. Hier bekommen Leser und Leserin eine exemplarische Vorstellung, was
Eine zweifelhafte Geschichte ausmacht, wo ihre Chance liegt ihre Ohnmacht und ihre merkwürdige Zeitgenossenschaft." (Klappentext)

 
Leseprobe
" (...) ein Zigarrenraucher raucht im Grunde nicht die Zigarre, er raucht etwas ganz anderes, etwas, dem Hintermann (das ist der Held der Erzählung) auf der Spur ist, wovor er sich fürchtet, wonach er sich sehnt. Der junge Brecht fiel mir ein, dessen Zigarre wie das natürliche Zubehör eines Fünfundzwanzigjährigen wirkt. Davon kann einer wie Hintermann nur träumen.
Heiner Müller: Wenn er mir etwas erklären wollte, deutete er mit seinem Stift immer wieder auf einen imaginären Punkt auf der Tischplatte, dazu ließ er seine Zigarre qualmen, ließ sie fast verglimmen, und ich versuchte mich stets auf den Punkt zu konzentrieren, auf den sein Stift zeigte, aber seine Zigarre drohte auszugehen, Mensch, zieh doch mal!, aber die Zigarre ging nicht aus, sie ging nie aus (…) die Zigarre, die nicht ausging war ein Ablenkungsmanöver. (...) " - Aus: Ungerauchte Zigarren
" (...) Viele meiner Tage sind mit Träumen behaftet. Oder ist es ein einziger? Träume geben den Flüssen ihre Seele und der Seele ihren Fluß. Einmal ruderte ich die Elbe und träumte das Paradies. Einen großen Baum träumte ich, mit roten Äpfeln. Ich biß hinein in die schönen Früchte und fragte nicht, was verboten war. Vielleicht aß ich auch, um vertrieben zu werden, von ihm, dem Allmächtigen … aber da war nichts Allmächtiges, da gab es nur Obst, und so bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich das Paradies war, von dem ich da träumte. (...) " - Aus: Im Einer

© 2006-2017 Ges. Hess. Literaturfreunde e.V. | Impressum