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'Landleben und Literaturtradition - Der Odenwald und seine Dichter'


Autor: Ludwig Fertig
Veröffentlichung: 1997
GHL-Nr.: 095


Zum Inhalt
Diese bisher einzige Literaturgeschichte des Odenwaldes spannt den Bogen der Betrachtung von einem ersten Hinweis aus der römischen Antike über die nachfolgenden Epochen der mittelalterlichen Welt und der Neuzeit bis hin zur Gegenwart. Ob als Bewohner oder als Besucher der Region geben Schriftsteller und Dichter Auskunft über Land und Leute des Odenwalds. Die Produkte ihrer literarischen Aktivitäten, ihre Beobachtungen und Reflexionen bilden die verschriftlichte Kultur einer Landschaft, die selbst nie einen homogenen Kulturraum auszubilden in der Lage war, da sie bis in die jüngsten Abschnitte der regionalen Geschichte hinein unterschiedlichen Herrschaften und ihren divergierenden religiösen und politischen Besonderheiten zugeordnet war.

Und dennoch hat der Autor Ludwig Fertig im Gebiet des Odenwaldes eine erstaunliche Fülle von Literaten in seine Sammlung aufnehmen können. Vom römischen Geschichtsschreiber Aumianus Macellinus über die mittelalterlichen Poeten und Schriftsteller wie Einhard, Wolfram von Eschenbach und den Minnesänger Bligger von Steinach beschreibt Ludwig Fertig die literarische Entwicklung über die Zeugnisse des Humanismus des 15. und 16. Jahrhunderts, der Dichtung des Barock, der Klassik und der Romantik bis hin zu den Zeugnissen literarischer Blüte des 20. Jahrhunderts.

 
Leseproben
" (...) Friedrich Karl war nicht der erste Erbacher Graf, der sich als Dichter versuchte. Schon 1599 verfaßte z. B. der fünfzehnjährige Johann Kasimir als Straßburger Student ein "Carmen elegiacum". Daß man im Odenwald überhaupt Sinn für Literatur besaß, bezeugt z. B. auch die imposante Adelsbibliothek von etwa 7000 Bänden, die Georg August Graf zu Erbach-Schönberg 1717/1718 gründete. Auch später versuchten sich einige Erbacher mit der Literatur: 1809 veröffentlichte der junge Albrecht August Ludwig Graf zu Erbach-Fürstenau unter dem Namen Albrecht Erbach einen umfangreichen Bericht über eine Schweizreise, der einen hohen Bildungsstand bezeugt. (...) "
" (...) Die Burgenromantik hatte zuerst die Besucher des Neckartals, dann die des Odenwaldes erfaßt und trieb teilweise wunderliche Blüten. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang ein Brief Bettina Brentanos an den so verehrten Goethe aus dem Jahr 1808, welcher sich auf den ersten Blick auf einen Besuch Hornberg am Neckar zu beziehen scheint. Die Exaltierte glaubte wohl, besonderen Eindruck zu hinterlassen, wenn sie an Götz von Berlichingen erinnerte und sich auf seinen Lebensraum bezog. Ob Bettina wusste, dass Goethe die Götzstätten nie gesehen hatte? Sie schrieb: "Ja, ich war währenddessen im Odenwald, bin auf des Götz altem Schloß herumgeklettert, ganz oben auf den Mauren, wo beinah kein menschlicher Fuß sich stützen kann, über Mauerspalten, die mich doch zuweilen schwindeln machten, als immer in Gedanken an Dich, an Deine Jugend, an Dein Leben bis jetzt, das immer wie ein lebendiges Wasser sich fortstürzt (...) "
" (...) Literarisch Interessierte zog es oft in die Ferne: Nikolaus Matz, der Stifter der berühmten Michelstädter Kirchenbibliothek, die auch Laien und einer begrenzten Öffentlichkeit dienen sollte, ist ebenso zu nennen wie der Buchener Gelehrte Konrad Koch oder Joseph Martin Kraus, der nicht nur bedeutender Musiker war, sondern auch zur Zeit des "Sturm und Drang", zur Dichtungsgeschichte beitrug. Immer wieder lockten die Städte: Lichtenbergs Vater zog von Ober-Ramstadt nach Darmstadt. Klingers Vater nach Frankfurt; Ludwig Bogen, den "48", verschlug es nach Amerika usw. Der Odenwald galt in Literatenkreisen als öde Gegend: Lenz verlegte z. B. den Schauplatz seines "Waldbruders" in diese Landschaft (...) "

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