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'Länger noch als tausend Jahr'


Autor: Fritz Deppert
Mit Illustrationen von Karl Deppert
Veröffentlichung: 1993
GHL-Nr.: 089


Zum Inhalt
Im Rückblick berichtet ein dem Grauen des 1. Weltkriegs Entronnener von seinem Leben als junger Künstler, von seiner großen Liebe, vom heraufkommenden braunen Terror, vom Kampf der Nazis gegen alles, was ihrer Vorstellung von lebenswertem Leben nicht entsprach. Und er erzählt von seiner verzweifelten Liebe und von ihrem Untergang in der Zeit unvorstellbarer Brutalität des Holocaust und der Blutorgien des 2. Weltkriegs. Seine Schilderung lässt Angst und Verzweiflung der Geschundenen greifbar werden und ihre grenzenlose Verlassenheit, doch endlich auch Zeichen der Zuversicht im Glauben an eine andere Welt, die nach dem Inferno beginnen mag.

 
Leseproben
" (...) Ich muss zugeben, dass ich nicht anders war als die vielen. Ich zog den feldgrauen Rock mit patriotischem Ernst an, war stolz darauf, Leibgardist zu sein, war bereit, mich für das Vaterland, diese schimäre Vater-Mutter-Figur, in Lebensgefahr zu begeben. Der graue Rock führte zu Zusammengehörigkeiten, der eine graue Rock zum anderen, Kameradschaft wurde ein ernst genommenes Wort für mich, ich praktizierte sie, und in meinen nicht ausrottbaren Nostalgien der Kriegserinnerungen war sie es, die die Verklärungsgefahr auslöste. Dennoch will ich sie im Nachhinein nicht abwerten, denn es war eine notwendige Reaktion, zusammenzurücken, um das Grauenvolle notdürftig ertragen zu können. Schlimmer war; der graue Rock brachte es fertig, dass ich in den andersfarbigen Röcken Feinde sah, nicht nur diffuse, allgemeine Feinde, nein, konkrete Feinde, meine Feinde. Meine Lust, Mann zu werden durch die Bewährung im Kampf, hielt sich jedoch in Grenzen (...) "
" (...) Eine Feuerwand wälzte sich mir entgegen. Feuersturm rüttelte an mir, ließ mich schwanken. Gegenstände fielen. Brennende Dachpappe rutschte am Helm herunter, verbrannte die Kleidung. Der Atem glühte, ließ die Lungen nach den Resten Sauerstoff in der heißen Atemluft ringen. Bäume brannten wie Fackeln, Häuser loderten wie die Feuerstöße mit den verbrannten Büchern und sanken aufplatzende in sich zusammen. Glut blendete die Augen, versengte Brauen und Lider. Menschen brannten wie Bäume, ihre Schreie ertranken im Lärm des Feuers, die Flammen züngelten ihren hochgereckten Armen entlang. Ein Vater zog seine zwei Kinder hinter sich her, zog sie an mir vorbei, als ich einen Moment stand, um Wege zu finden, die ich gehen konnte. Er zog sie gegen den Orkan, der die Straße herunterbrauste, Funken, Staub und glühende Brocken ausspie. Ich sah ein Kind fallen, sah, wie er es verzweifelt gegen den Sturm aufzuheben versuchte, sah, wie es misslang (...) "

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