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'Die Frau, die Magd, das Mensch - Lichtenberg als Liebhaber'


Autor: Wolfgang Promies
Vortrag, gehalten am 15.6.1992 in Darmstadt
Veröffentlichung: 1993
GHL-Nr.: 088


Zum Inhalt
Den überaus unterschiedlichen Beziehungen Lichtenbergs zu den für ihn wichtigen Frauen geht Wolfgang Promies feinfühlig und umsichtig nach. In seinem Vortrag zeichnet er ein überaus nuanciertes Lichtenbergbild, das sich in erstaunlichem Maße von den bis dato geläufigen Darstellungen unterscheidet.

 
Leseprobe
" (...) Ich sehe in Lichtenberg einen Menschen, der sich des Konflikts zwischen Kopf und Bauch, des Widerstreits zwischen Sinnlichkeit und Sittlichkeit, des unwiderstehlichen Geschlechtstriebs und der Kontrollinstanz Gehirn, Vernunft, Verstand völlig bewusst war - viele Zeitgenossinnen und Zeitgenossen sind an dieser Aporie gescheitert, verrückt, Außenseiter, verfemt worden (Gottfried August Bürger zum Beispiel, welch ein verschmitztes Wortspiel!). Lichtenberg sah klarer als viele und durchschaute die gequälten Anstrengungen junger Leute männlichen Geschlechts, sinnliche Gewogenheit und Zuneigung in literarischen ‚Ergüssen' zu kompensieren oder weiblicherseits, wie Werthers Lotte beim Namen Klopstock schier zu verfließen. Lichtenberg urteilt diesen Kult der Empfindsamen als poetische und Lebens-Lüge ab, kritisiert die "Schwärmerei der Liebe", heulsam demonstriert durch "Werther" und "Siegwart" und dargebracht durch die Göttinger Hainbündler, die in Wieland den "Wollustsänger" ausgemacht hatten, der mit seinen Texten, wie Hölty formulierte, die "bezauberte Unschuld" deutscher Jungfrauen vor seinem Altar der Buhlerei "würgt". (...) "

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