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'Erinnerungen'


Autor: Wilhelm Strahringer
Veröffentlichung: 1981
GHL-Nr.: 059


Zum Inhalt
Der Autor schildert in kleinen Bildern die Stationen seines Lebens; beginnend mit Kindheit und Jugend in der Vaterstadt Wien, spannt er den Bogen seines Lebensberichts über die Zeit des Studiums, der beruflichen Stationen bis zu der späteren Tätigkeit als Heag-Direktor. Durch seine Berichte und Beschreibungen blitzt das Element Zeitgeschichte hindurch, immer wieder auch das Familiäre. Die Beschreibung des Lebens um ihn herum wird immer wieder durch den Blick in die europäische Welt ergänzt, so dass das Ganze sich zu einem Bilderbogen gestaltet, der den Lebensweg des Autors illustrativ skizziert.

 
Leseprobe
" Liebe

Wenn der gelangweilte Siebenschläfer der Stadt des Sonntags eben aus den Federn gekrochen ist und mit morgendlichem Gefühl nach dem Schwimmbad schlendert, kann er dort gleichzeitig mit einem einsamen Wanderer eintreffen, dessen verstaubte Schuhe erkennen lassen, daß dieser Mann schon länger auf den Beinen ist als er. Das ist ein Schulmeister aus einem kleinen Dorf im fernen Odenwald, der nun nach drei Stunden ermüdender Fahrt den Bademeister frohgemut fragt, ob er ihn störe, wenn er ihn bitte, ihn an die Leine zu nehmen. Fünf Minuten später steckt er im Gurt und übt seine Schwimmbewegungen mit der Gewissenhaftigkeit und Zähigkeit des zielbewussten Mannes, aber auch mit der Schwerfälligkeit des bewegungsentwöhnten Erwachsenen. Nach herzlichen Dankesworten für die seiner Ungeschicklichkeit geopferten Mühe geht er wieder nach der fernen Heimat.
Dieses Schauspiel wiederholt sich nun seit vielen Wochen Sonntag für Sonntag. Einmal aber wird der Tag kommen, wo der Lehrer mit seiner Dorfjugend nach dem Teich vor dem Ort wandern und ihr sagen kann, daß das Wasser nicht jenes gefährliche, todbringende Element ist, als das es ihr bisher hingestellt worden ist, daß es im Gegenteil eine Quelle reicher Freuden sei - wenn man schwimmen könne. Es zu lernen aber seien sie heute gekommen. Die Hoffnung, seiner Jugend dieses Geschenk einst machen zu dürfen, treibt den Schulmeister allsonntäglich zu früher Morgenstunde aus dem Dorfe hinaus, lässt ihn seine spärliche Zeit und sein noch spärlicheres Geld opfern. Ist das nicht Liebe? " - (1924)

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