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'Stefan George heute'


Autor: Herbert Heckmann
Vorgetragen am 22. Mai 1968 vor der Gesellschaft Hessischer Literaturfreunde zu Darmstadt Veröffentlichung: 1969
GHL-Nr.: 026


Zum Inhalt
Herbert Heckmann setzt sich mit der Frage auseinander "Warum ist Stefan George so sehr aus unserem literarischen Bewusstsein verschwunden?" und nimmt Stellung sowohl zu jenen Aspekten des dichterischen Werks, deren Botschaft im Labyrinth einer der Zeit verhafteten Selbstinszenierung verklungen ist, als auch zu solchen, in denen sich die poetische Kraft des Dichters auch für den heutigen Leser ungebrochen manifestiert.

 
Leseprobe
" (...) Tatsache ist, daß Stefan George der deutschen Sprache einige sehr schöne Gedichte geschenkt hat…In dem Zyklus Das Jahr der Seele, besonders im ersten Teil, der den Titel Nach der Lese trägt, ist der Herbst nicht nur als Jahreszeit zu nehmen; er ist auch ein historischer Augenblick, ein Wissen um die Dekadenz. "Komm in den totgesagten park…" So beginnt die erste Zeile des ersten Gedichts. Auch hier der Park, die vom Menschen besorgte Natur. Die Pflanzen entfalten einen letzten Glanz.

"Die späten rosen welken noch nicht ganz,
Erlese, küsse sie und flicht den kranz."

Stefan George zeigt den letzten Aufstand der Schönheit vor dem Vergehen. Fast behutsam zählt er die einzelnen Ereignisse und Dinge auf, preist ihre Farben, die Vorboten des Verwelkens. Keinem anderen Herbstgedicht in der deutschen Literatur, die an Herbstgedichten wahrlich nicht arm ist, gelingt es so, die verführerische Schönheit des Herbstes einzufangen, so sehr die Verzauberung anzudeuten, die die herbstlich wuchernde Schönheit ausübt. Die letzte Entfaltung des Lebens im schon totgesagten Park wird hinübergerettet ins Gedicht.

"Und auch was übrig blieb vom grünen leben
Verschwinde leicht im herbstlichen gesicht." (...) "

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