Inhalt:

Startseite

Über uns

Autoren

Publikationen

 Überblick

 Im Einzelnen

Veranstaltungen

Links

Kontakt




 
 

'Erzählungen'


Autor: Bernard von Brentano
Mit einem Nachwort von Fritz Usinger
Illustrationen von Peter Kröger
Veröffentlichung: 1966
GHL-Nr.: 018


Zum Inhalt
Der Band enthält die Erzählungen:
  • Die chinesische Ampel
  • Drei rote Streifen
  • Die Angeber
  • Max vom Ringverein

     
    Leseprobe
    " (...) Am nächsten Tag ging Kathrinchen nachmittags zu Herbert. Herbert war bei der Arbeit.
    "Guten Tag! Guten Tag!" sagte er vergnügt. Er war ein kräftiger Mann, er schwang Kathrin in die Luft und küsste sie. "Weißt du eigentlich, daß du gute Antennen hast? Du kommst wie gerufen. Ich muß ein paar Zeichnungen machen. Könntest du dich in einen Engel verwandeln und ein paar Ausziehübungen machen? "
    Kathrin war klein, aber ihre Figur war vollkommen. Ihre Beine waren verhältnismäßig lang und schlank, ihre Schenkel, ihre Arme, ihre sanft gerundeten Schultern, ihre zierlichen brüste, alles war vollendet gewachsen und bei aller Zierlichkeit fest und kräftig. Nachdem sie sich ausgezogen hatte, legte sich Kathrinchen auf Herberts blaue Couch, und Herbert setzte sich vor sie und zeichnete.
    Herbert nahm einen Bleistift aus den Lippen und fragte Kathrin, was sie gestern getan habe.
    Kathrin betrachtete die Zimmerdecke. Die Decke musste frisch geweißt werden. Die war voller schwarzer Flecken.
    "Kino", sagte sie.
    Kathrin trat abends als Tänzerin auf in einem Kino am Alexanderplatz. Bekleidet mit einem silbernen Höschen hüpfte sie mit sechs anderen Mädchen über die Bühne. Dafür bekam sie pro Abend vier Mark, und das war viel Geld für sie.
    "Nächste Woche fahr ich nach Bansin", sagte Kathrin.
    "Das ist eine ziemliche Neuigkeit!" sagte Herbert. "Darf ich mal fragen, wer diese Reise spendiert? Hast du einen Gönner gefunden?"
    "Bist du eifersüchtig?"
    "Nicht bewegen - bitte nicht!" sagte Herbert. Er zeichnete Kathrins Schulter und fuhr fort: "Natürlich bin ich eifersüchtig. Das weißt du auch sehr genau."
    "Aber Herbert! Du weißt sehr genau, daß du keinen Grund hast bei mir zur Eifersucht."
    "Hab' ich das wirklich nicht? Gar keinen Grund? Fährst du vielleicht allein an die Ostsee?"
    "Zu zweit", sagte Kathrin.
    "Aha! Zu zweit. Das wusste ich ja. Fräulein Granowski fährt zu zweit."
    "Ich fahr mit dem Fotografen", sagte Kathrin.
    "Mit welchem Fotografen? Ich kenne keinen Fotografen."
    "Mit dem ollen Kerl, der die Bilder macht von mir." (...) " - Aus: Maxe vom Ringverein (S. 126)

    © 2006-2017 Ges. Hess. Literaturfreunde e.V. | Impressum


  •